Dass Kunst unbedingt sichtbar sein soll, ist ein Anspruch, der erst in der Moderne entstand. Ihm liegt die über Jahrhunderte prägende, oft frustrierende Erfahrung zugrunde, dass Bildwerke nur schwer und jeweils nur wenigen zugänglich waren. Wer nicht Teil der höfischen Gesellschaft war, kam fast nie in Kontakt zu einem Original, höchstens in Kirchen, wo aber liturgische Vorschriften dafür sorgten, dass vieles bloß zu bestimmten Jahreszeiten oder während der Messe zu sehen war. Erst als Bildungsbürgertum und Aufklärung dominant wurden, erfand man mit der Institution des Museums einen Ort, an dem Bildwerke umfassend sichtbar wurden. Reproduktionstechniken – zuerst die Lithographie, dann vor allem die Fotografie – entwickelte man mit demselben Impetus zu immer größerer Perfektion: Kunst sollte möglichst vielen möglichst einfach zugänglich werden. Die meisten Künstler der Moderne folgten dem Ideal der Sichtbarkeit unhinterfragt. Sie schufen Werke, die ohne Zugangshürden oder Exklusionsstrategien jederzeit voll wahrnehmbar werden können; zugleich sind sie professionell auf Reproduzierbarkeit hin angelegt, weshalb sie in einem Bildband oder Film mindestens so gut wie im Original zur Geltung kommen. Da zur Logik des Kunstbegriffs der Moderne aber auch der Imperativ gehört, immer gezielt das zu dementieren, was vermeintlich notwendig ist, damit sich etwas als Kunst qualifiziert, kam es genauso dazu, dass Künstler Sichtbarkeit für einzelne Werke ausdrücklich verweigerten. [...] Geht es hier darum, sich das Nicht-Sichtbare vorzustellen [...], so fordern Arbeiten, [...] die Einbildungskraft und Glaubensbereitschaft der Rezipienten heraus. Vor allem aber geht es darum, die Grenzen dessen, was Kunst sein kann, auszuloten, also zu prüfen, auf wie viel sinnliche Präsenz sich bei einem Werk verzichtet lässt, ohne dass es seinen Kunststatus einbüßt. (Wolfgang Ullrich)
Peter Vahlefeld | Wahre Liebe und Ware Kunst
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